Wir fanden erstmals verschlossene Tore vor und reihten uns
in die Warteschlange ein. Fuer etwas Unterhaltung sorgte lediglich ein
Geldwechsler, der nicht muede wurde, uns seine sog. "Dschingis Khan
Dollar" feilzubieten (gemeint war die mongolische Waehrung
"Toegroeg"). Nach einiger Zeit wurde der Schlagbaum doch angehoben
und wir fuhren zu einer ersten Passkontrolle, welche uns schliesslich zum
naechsten Posten weiterschickte. In einem kleinen Haeuschen begutachtete eine
Frau mit strengem Blick unsere Papiere, brachte erste Stempel an und wies uns
schliesslich weiter zur naechsten Stelle, welche offensichtlich fuer die
Gepaeckkontrolle zustaendig war. Der prallvolle Kofferraum von Urs sowie das
Dachzelt waren offensichtlich zuviel fuer die Beamten, sodass ich (Tobi) mit
einem freundlichen Grenzsoldaten quer ueber das Areal zum roentgen geschickt
wurde. Waehrend Urs also geroentgt wurde, stand ich abseits mit dem russischen
Beamten, der sich sehr fuer unsere Reise interessierte und sich immer wieder
fuer seine limitierten Englischkenntnisse entschuldigte. Das Roentgen fuehrte
offenbar nicht zu negativen Feststellungen, wir erhielten im Ausreiseprozess
noch den einen oder anderen Stempel und reisten nach Verabschiedung durch
weitere freundliche Beamte schliesslich aus Russland aus. Die sehr
zuvorkommende und freundliche Art der Menschen in Russland bestaetigte sich an
der Grenze ein weiteres Mal und wird uns in bester Erinnerung bleiben.
An der mongolischen Grenze mussten wir zuerst durch ein
Desinfektionsbad fahren. Danach stand eine Mischung aus Posten- und
Orientierungslauf auf dem Programm, bei dem es darum ging, von der zustaendigen Stelle einen Stempel auf dem
jeweils richtigen Formular zu erhalten, bevor der naechste Schritt im
Einreiseprozess durchgefuehrt werden konnte. Nach gefuehlten 2533 ausgefuellten
Formularen und noch mehr Stempeln reisten wir schliesslich in die Mongolei ein
und waren nach dem Abschluss einer Haftpflichtversicherung bald auf der Strasse
in Richtung Sueden unterwegs. In einer schoenen Flusslandschaft bauten wir
unser Camp auf und genossen den sonnigen Abend.
Am naechsten Tag ging es weiter Richtung Westen.
Ausgestattet mit Proviant und vollem Tank verliessen wir bei einem Ort namens
Bulgan die geteerte Strasse und liessen die Zivilisation hinter uns. Nach nicht
allzu langer Fahrt allerdings bewegte sich die Temperaturanzeige von Urs immer
mehr in den roten Bereich. Wir verloren Kuehlwasser, konnten das Problem aber
nicht erkennen und entschlossen uns daher, Urs eine Pause zu goennen und
erstmal unser Lager aufzuschlagen.
Auch am naechsten Morgen konnte das Problem nicht erkannt
werden, wir fuellten also etwas Kuehlwasser nach und fuhren los. Allzu weit
kamen wir jedoch nicht und wir waren mit dem gleichen Problem wie am Vortag
konfrontiert. Wir liessen Urs am Strassenrand auskuehlen und diskutierten
moegliche Szenarien (es gab kaum Verkehr und keine Ortschaft in der Nähe, von
der Hauptstadt trennten uns rund 300 Kilometer, davon rund 200 Kilometer
Piste), bis ploetzlich ein Wohnmobil mit franzoesischem Kennzeichen auftauchte
und der Fahrer, Jose, sich als Lastwagenmechaniker vorstellte. Glueck im
Unglueck also und wir begannen, alle moeglichen Fehlerquellen zu eruieren. Erst
nach komplettem Auffuellen des Wasserkreislaufes und Starten des Motors
erkannten wir schliesslich, dass aus einem Schlauch ein feiner Strahl spritzte
- ein Leck also. Mangels Ersatzschlauch entschieden wir auf Anraten des
Mechanikers, das Loch behelfsmaessig mit Schraube, Unterlagsscheiben und
Dichtungsmittel zu verschliessen.
Die Methode schien zu funktionieren, wir fuhren gemeinsam
mit den Franzosen weiter und verloren nicht weiter an Wasser. Nach rund 100km
durch schoene, einsame Landschaften entschieden wir uns schliesslich, bis am
naechsten Morgen Pause zu machen und genossen die untergehende Sonne bei einem
kuehlen Bier - Refresherkurs in
Franzoesisch inbegriffen ;-). Dass an diesem Tag mein Geburtstag war, wurde mit
Kerzchen und Schokolade ebenfalls noch gefeiert - ein Geburtstag, der in
Erinnerung bleiben wird...
Beim Fahrzeugcheck am naechsten Morgen mussten wir leider
feststellen, dass der geflickte Schlauch erneut tropfte und an ein Weiterfahren
nicht zu denken war. Also wuehlten wir erneut in der Ersatzteilkiste und fanden
schliesslich ein geeignetes Metallrohr, welche in den Schlauch geschoben und
befestigt werden konnten. Damit schlossen wir das Leck und waren nach einer
weiteren Reparatur wieder startklar.
Bei der Fahrt traten keine weiteren Probleme auf und wir
verabschiedeten uns von der franzoesischen Familie. Unser Weg fuehrte uns
zuerst ueber rund 110 Kilometer Piste erneut durch kaum besiedelte,
weitlaeufige und meist gruene Landschaften, ausser Tierherden war kaum ein
Lebewesen anzutreffen. Wir erreichten schliesslich die Hauptstrasse nach Ulan
Bator und fuhren weitere 90 Kilometer auf Asphalt, um in der Stadt unser Auto
reparieren zu lassen. Zuerst aber galt es, durch den unendlichen und hektischen
Verkehr ins Hotel zu finden. Da freuten wir uns schliesslich ueber eine Dusche
und anschliessend ein feines Abendessen.
Am naechsten Tag suchten wir die Land Rover Garage in Ulan
Bator auf, in der Hoffnung, den defekten Schlauch ersetzen zu lassen. Nach
einigem Suchen beschied man uns allerdings, dass das gewuenschte Teil nicht an
Lager war. Uns blieb also, auch auf Anraten des Garagenmanagers, nichts anderes
uebrig als der Gang auf den Schwarzmarkt. Wir fuhren also zu einem aus
Containern bestehenden Markt und suchten dort einen Anbieter mit einer grossen
Auswahl an Schlaeuchen auf. Per Telefon konnte der Manager der Land Rover
Garage auf mongolisch erklaeren, was wir genau brauchten. Bald war das
gewuenschte Teil gefunden und wurde sogar auf der Stelle vom Ladenbesitzer und
dessen Kollegen emsig montiert. So war Urs wieder startklar und wir verliessen
Ulan Bator, um nochmals einige Tage die Natur der Mongolei zu erkunden und zu
geniessen.
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