Freitag, 12. September 2014

Letzte Etappe, 3. Bericht

Die erste Übernachtung in der Gobi war wunderbar, nicht zu kalt und selbstverständlich trocken. Ein gutes Gefühl am Morgen barfuss von der Dachzeltleiter in den Wüstensand schreiten zu können.





Schnell gings weiter. Auf der Karte war bald eine Ortschaft verzeichnet, doch sie kam nicht. Auch die Nachfrage bei einem Ziegenhirten gab wenig Klärung... Er erfreute sich aber an der kühlen Cola aus unserem Kühlschrank. Was blieb ausser weiterfahren?

Bald waren wir sicher, das Dörfchen übersehen zu haben, auch wenn uns eine deutsche Reisegruppe mit Fahrer in einem alten russischen Kleinbuss versicherte, von genau dort gekommen zu sein.

In der Zwischenzeit türmte sich zu unserer Linken ein riesiges, nicht enden wollendes Dünenband auf. Das mussten sie sein; die gesuchten Wanderdünen von Khongoryn Els welche sich auf einer Länge von 120 km erstrecken.








Gemäss Karte sollte es aus dem Tal heraus je einen Übergang nach Norden und Süden geben. Norden wäre unser Ziel gewesen. Doch wie den Weg finden? Auch die Suche vom Landydach mit dem Feldstecher brachte nichts. Da plötzlich in der Ferne eine Staubfahne: ein Auto! Wir hielten darauf zu und probierten der mongolischen Familie unser Problem zu schildern. Sie schienen keinen Weg nach Norden zu kennen und wir liessen sie weiterfahren. Wir taten selbiges - immer der Nase nach.

Der Zufall wollte es, dass wir wieder dieselbe mongolische Familie antrafen. Ihr Landcruiser steckte im Sand fest und wir hatten Mühe nicht auch stecken zu bleiben. Von sicherem Boden aus liefen wir zurück, boten unsere Hilfe an. Doch der Vater schien wenig besorgt (immerhin war die Frau hochschwanger!) und installierte seelenruhig die Achssperre an seinem Wagen. Kurze Zeit später war der Toyota wieder flott.

Erneut kamen wir ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie südlich das grosse Tal verlassen wollten. Wir mussten nicht überlegen und baten darum, hinterherfahren zu dürfen.

Wir hielten uns bis dahin für gut gereifte offroad-Fahrer, merkten aber bald, dass wir in der Mongolei gemessen am Können der Einheimischen blutige Anfänger waren. Er jagte uns über weite Flächen und fuhr oft IN einem alten Flussbett.... Und plötzlich war überall nur noch Sand: der Weg ging mitten durch die Dünen. Jetzt bloss nichts falsch machen. Der Wiederstand des tiefen Sandes war riesig und bald wurde der Motor heiss. Das Reduktionsgetriebe half wieder einmal weiter.

Nach etwa einer Stunde Verfolgungsjagd (gefühlte 7 h!) hielt die Familie an. In der ferne 2 Jurten. Hier wohnten sie. Wir überreichten ein Schweizer Taschenmesser und bedankten uns aufs herzlichste.

Den Rest schafften wir wieder indem wir bei Unsicherheiten erneut bei den häufig auftauchenden Jurten nach dem Weg fragten.

Die Halterung des Reserverades hatte unsere Ralley durch die Dünen nicht überstanden. Das Reserverad ist seither im Wageninnern.

Am Abend wurden wir mit einem wunderschönen Lagerplatz auf einer Passhöhe auf ca. 1500 m.ü.m. belohnt.







Am nächsten Tag gings zurück nach Norden, wo wir in Mandalgobi ein günstiges Hotel nahmen.

Es war schon spät und wir wollten was essen gehen. In der Lobby wurden wir sogleich von einem englischsprechenden Mongolen zum Businessdinner eingeladen. Auch zwei Koreaner waren dabei und wir genossen die Gastfreunschaft und die guten Spezialitäten. Leider gehörte dazu auch die reichlich eingeschenkte vergorene Stutenmilch. Bei aller Freunschaft und allem Respekt: dies liess sich nicht trinken (auf jeden Fall nicht über ein respektvolles nippen an der von Mongolen heiss gelieben Spezialität hinaus); auch mit mongolischem Wodka nicht. Unmöglich! Nie mehr (dachten wir)!




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