Die erste Übernachtung in der Gobi war wunderbar, nicht zu
kalt und selbstverständlich trocken. Ein gutes Gefühl am Morgen barfuss von der
Dachzeltleiter in den Wüstensand schreiten zu können.
Schnell gings weiter. Auf der Karte war bald eine Ortschaft
verzeichnet, doch sie kam nicht. Auch die Nachfrage bei einem Ziegenhirten gab
wenig Klärung... Er erfreute sich aber an der kühlen Cola aus unserem
Kühlschrank. Was blieb ausser weiterfahren?
Bald waren wir sicher, das Dörfchen übersehen zu haben, auch
wenn uns eine deutsche Reisegruppe mit Fahrer in einem alten russischen
Kleinbuss versicherte, von genau dort gekommen zu sein.
In der Zwischenzeit türmte sich zu unserer Linken ein
riesiges, nicht enden wollendes Dünenband auf. Das mussten sie sein; die
gesuchten Wanderdünen von Khongoryn Els welche sich auf einer Länge von 120 km
erstrecken.
Gemäss Karte sollte es aus dem Tal heraus je einen Übergang
nach Norden und Süden geben. Norden wäre unser Ziel gewesen. Doch wie den Weg
finden? Auch die Suche vom Landydach mit dem Feldstecher brachte nichts. Da
plötzlich in der Ferne eine Staubfahne: ein Auto! Wir hielten darauf zu und
probierten der mongolischen Familie unser Problem zu schildern. Sie schienen
keinen Weg nach Norden zu kennen und wir liessen sie weiterfahren. Wir taten
selbiges - immer der Nase nach.
Der Zufall wollte es, dass wir wieder dieselbe mongolische
Familie antrafen. Ihr Landcruiser steckte im Sand fest und wir hatten Mühe
nicht auch stecken zu bleiben. Von sicherem Boden aus liefen wir zurück, boten
unsere Hilfe an. Doch der Vater schien wenig besorgt (immerhin war die Frau
hochschwanger!) und installierte seelenruhig die Achssperre an seinem Wagen.
Kurze Zeit später war der Toyota wieder flott.
Erneut kamen wir ins Gespräch und es stellte sich heraus,
dass sie südlich das grosse Tal verlassen wollten. Wir mussten nicht überlegen
und baten darum, hinterherfahren zu dürfen.
Wir hielten uns bis dahin für gut gereifte offroad-Fahrer,
merkten aber bald, dass wir in der Mongolei gemessen am Können der
Einheimischen blutige Anfänger waren. Er jagte uns über weite Flächen und fuhr
oft IN einem alten Flussbett.... Und plötzlich war überall nur noch Sand: der
Weg ging mitten durch die Dünen. Jetzt bloss nichts falsch machen. Der
Wiederstand des tiefen Sandes war riesig und bald wurde der Motor heiss. Das
Reduktionsgetriebe half wieder einmal weiter.
Nach etwa einer Stunde Verfolgungsjagd (gefühlte 7 h!) hielt
die Familie an. In der ferne 2 Jurten. Hier wohnten sie. Wir überreichten ein
Schweizer Taschenmesser und bedankten uns aufs herzlichste.
Den Rest schafften wir wieder indem wir bei Unsicherheiten
erneut bei den häufig auftauchenden Jurten nach dem Weg fragten.
Die Halterung des Reserverades hatte unsere Ralley durch die
Dünen nicht überstanden. Das Reserverad ist seither im Wageninnern.
Am Abend wurden wir mit einem wunderschönen Lagerplatz auf
einer Passhöhe auf ca. 1500 m.ü.m. belohnt.
Am nächsten Tag gings zurück nach Norden, wo wir in Mandalgobi
ein günstiges Hotel nahmen.
Es war schon spät und wir wollten was essen gehen. In der
Lobby wurden wir sogleich von einem englischsprechenden Mongolen zum
Businessdinner eingeladen. Auch zwei Koreaner waren dabei und wir genossen die Gastfreunschaft
und die guten Spezialitäten. Leider gehörte dazu auch die reichlich
eingeschenkte vergorene Stutenmilch. Bei aller Freunschaft und allem Respekt:
dies liess sich nicht trinken (auf jeden Fall nicht über ein respektvolles
nippen an der von Mongolen heiss gelieben Spezialität hinaus); auch mit
mongolischem Wodka nicht. Unmöglich! Nie mehr (dachten wir)!
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