Wir, das Team 2, sind zwar schon wieder eineinhalb Zugsnächte und einen Zugstag von Ekaterinenburg entfernt, möchten Euch aber noch von unserem Reiseziel und der Landyübergabe berichten.
Auf der Fahrt von Perm nach Ekaterinenburg hat uns die
russische Strassenpolizei beehrt. Gleich an 8 Kontrollen sind wir
vorbeigefahren, die übrigens von den entgegenkommenden Fahrzeugen mit
Lichthupen angekündigt werden. Bei der ersten hat uns eine blonde Polizistin am
Handy mit ihrem Stöckchen herausgewunken. Weil unser Bremsweg zugegebenermassen
etwas lang war (ca. 100 Meter), mussten wir etwas warten, sie aber blieb weiter
am Handy und an Ort und Stelle. So sind wir nach kurzer Zeit unverrichteter
Dinge weitergefahren. Die zweite Kontrolle hat uns ebenfalls herausgewunken.
Wir haben angehalten, den Motor abgestellt und den Warnblinker eingeschaltet.
Als der Polizist auf unserer Höhe war, hat er uns zu verstehen gegeben, dass
wir weiterfahren sollen. Die dritte Kontrolle haben wir – trotz Blickkontakt –
ignoriert. Bei den anderen Kontrollen haben wir es noch bunter getrieben: Auf
Höhe der Polizisten hat Fredy, um Blickkontakt zu vermeiden, dem Vorwagen aus
Nummernschild geschaut und Claudia das GPS studiert. Hat geklappt.
Ekaterinenburg hat uns mit kaltem und nassem Wetter
empfangen. Das waren wir uns nicht mehr gewohnt: Wir mussten sogar Jacken
anziehen. Nun ja, für eine Stadtbesichtigung hat es trotzdem gereicht. Die
Stadt besticht durch einen Mix aus alt und neu. Es gibt Stahl-Glas-Hochhäuser
gleich neben den typischen Holzhäuschen, ferner schöne Parks, Kirchen und
repräsentative öffentliche Bauten. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist aber die
Auf-dem-Blut-Kathdrale, gemäss vielen Reiseführern ein historisches Monument.
Ja, es ist wie immer: Diese „historische“ Kirche ist ca. 10 Jahre alt! An der
Stelle dieser Gedenkkirche stand früher eine Villa, in welcher die gesamte
letzte Zarenfamilie, die Romanovs, am 16. Juli 1919 erschossen wurde. Auf
Geheiss des Sowjetrats in Moskau liess Boris Jelzin diese Villa in den 1970er
Jahren abreissen. Und weil die Romanovs in den letzten 300 Jahren die Zaren
gestellt hat, welche die Zeichen der Zeit „nie“ verkannt haben, werden sie
heute sogar verehrt. Für Schweizer eher etwas unverständlich. Was soll’s. Für
uns auch erstaunlich ist die um sich greifende Religiosität: Hier werden die
Hände der Pfarrer während eines kleinen Knicks noch geküsst, man verneigt und
bekreuzigt sich beim Betreten einer Kirche, Frauen müssen Kopftücher tragen.
Gruppe 2 wäre nicht Gruppe 2 hätten wir nicht auch in
Ekaterinenburg ein Bahnmuseum besucht. Es steht unserer Ansicht nach unter dem
Motto: klein, aber fein. Im wirklich säuberlich herausgeputzten historischen
Bahnhof von Ekaterinenburg sind Modelle, viele technische Exponate, zahllose
historische Bilder und sogar ein Führerstand einer Elektrolok zu besichtigen.
Unserem Landy haben wir in Ekaterinenburg ein kleines Wohlfühlprogramm
gegönnt: Im 2. UG des auffälligsten, aber schönen Hochhauses „Visozki“
(oder so ähnlich) wurde er so richtig eingeschäumt und innen und aussen
geputzt. Nach dieser Prozedur sind wir erschrocken: so neu ist uns „Urs“ noch
nie vorgekommen und bereit für die Übergabe an Team 3.
Das Team 3 haben wir am Flughafen von Ekaterinenburg
abgeholt, er liegt rund 13 km ausserhalb der Stadt. Karin und Stephan waren
sehr froh, uns zu sehen. Sie hatten gedacht, wir seien verschleppt,
eingekerkert und der Landy konfisziert – weil es keinen Telefonkontakt zwischen
uns mehr gab. Nun, Orange mag offenbar Russland nicht so und Hablü hat ihrem
Handy einen längeren Aufenthalt im Hotel Expedition in Perm gegönnt. Das
Hotelteam hat eine bemerkenswerte Leistung vollbracht: Nachdem Hablü bemerkt
hat, dass ihr Handy fehlt, hat sie aus Ekaterinenburg dem Hotel angerufen
(Entfernung: 380 km). Über Freunde und deren Freunde wurde uns das Handy nach
3 Tagen nach Ekaterinenburg gebracht.
Zum Schluss noch ein paar Worte zur Landy-Übergabe: Diese
erfolgte am offiziellen Schnittpunkt zwischen einer Strasse und dem geographischen
Übergang von Europa zu Asien. Etwas Symbolträchtigeres ist uns nicht
eingefallen. So hat das Team 2 den Endpunkt Europas erreicht und Team 3 beginnt
in Asien. Wir hatten sogar Gelegenheit, mit fahrerfreundlichem „Rimuss“
anzustossen, welches wir in einem Ekaterinenburger Feinkostladen gefunden
hatten.
So denn: Wir danken den 2 Stephans, dass wir an dieser Tour
mitmachen durften. Das Wetter war allermeistens sehr gut, wir hatten keine
Pannen und grösseren Probleme – Nun wünschen wir den nachfolgenden Teams alles
Gute, ebenfalls viele, schöne Erlebnisse und allseits gute Fahrt! Wir freuen
uns nun auf die Heimreise im Zug von Ekaterinenburg über Moskau, Berlin,
Hannover bis nach Zürich und hoffen, alle wieder gesund und munter anzutreffen.
Alter Bahnhof von Ekaterinenburg
Auf-dem-Blut-Kathedrale
Das schönste Haus von Ekaterinenburg - der Gouverneurspalast
Die Romanovs - eine Familientragödie
Ein letztes gemeinsames Bild vor dem Hotel
Eine Metrolinie hat Ekaterinenburg auch
Eingang des Bahnmuseums
Frisch herausgeputzt vor dem Flughafen
Kalt, Stürmisch und Nass
Logbuchübergabe am Denkmal Europa-Asien
Skyline am Stadtteich
SPA für Urs
Spannender Architakturmix
Stefan und Fredy gönnen sich am Abend einen Vodka
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