Dienstag, 15. Juli 2014

Perm und Kungur

Auf der Fahrt von Izhevsk nach Perm erspähten wir kurz vor Perm wieder einmal eine Tankstelle der Lukoil und beschlossen, dort noch schnell zu tanken. Als wir wieder wegfuhren, winkte uns nach ein paar Metern ein Polizist heraus und bedeutete Fredy, er solle rechts ran zu fahren. Nervosität machte sich bei uns breit und wir rätselten, was dazu geführt hatte, dass wir negativ aufgefallen sind. Die Geschwindigkeit konnte es nicht sein, wir hatten nur 52 km/h auf dem Tacho. Fredy kurbelte das Fenster runter, der Polizist grüsste und deckte uns mit einem Redeschwall ein. Wir haben uns angesehen und mit den Schultern gezuckt, keine Ahnung was das Problem war. Als wir darauf hinwiesen, des Russischen leider nicht mächtig zu sein, wurde die Laune des Polizisten auf jeden Fall nicht besser. Zuerst wollte der Polizist „dokumenti“ sehen, wir kramen also brav Führerschein international, national, Fahrzeugausweis und Vollmacht hervor. Von der Dokumentenflut ist der Herr wenig beeindruckt, ihn interessiert eigentlich nur der Führerausweis. Das ist also mal kein Problem. Der ältere Kollege des Polizisten schien sich in Zwischenzeit im Hintergrund köstlich zu amüsieren, wahrscheinlich freute er sich, dass der eifrige junge Mann sich mit uns als Klientschaft keinen Gefallen getan hatte. Dieser beklagte sich dann auch offensichtlich beim Kollegen über uns hoffnungslosen Fälle, ein Zusammenschiss funktioniert halt nur bei denen, die einem auch verstehen können. Da es mit Worten nicht klappte, wollte der Polizist, dass Fredy das Fahrzeug verlässt und nach vorne mitgeht. Dort fuchtelte er mit den Händen rum und es wurde klar, dass ihm etwas am Licht nicht passte. Fredy sollte wieder hinters Steuerrad und an den Hebeln rumdrücken. Mehrere Varianten fanden keine Zustimmung seitens der beiden Herren. Am Ende greift der Polizist selbst an die Hebel und bedeutet Fredy, vorne zu schauen, welche Art Licht er sehen wollte. Volllicht und Abblendlicht, hin und her, wir kamen endlich draus, was er meinte. Der Polizist hob zu einer grossen Ermahnungsrede an und beendete diesen mit den entnervten Worten „go, go, go!“. Aha, wir wurden also mit einer Standpauke entlassen und durften unserer Wege gehen. Wir verstauten all den Dokumentenkram wieder und Fredy bemühte sich, beim Wegfahren nicht noch aus Versehen den Polizisten über den Haufen zu fahren. Nachdem die Polizei im Rückspiegel verschwunden war, genehmigte sich Fredy auf diesen Schrecken erst mal eine Zigarette. Ein Erinnerungsfoto können wir hier leider nicht vorweisen.

 
In Perm erreichten wir unsere Bleibe für die nächsten drei Nächte. Es entpuppte sich als Unterkunft für Outdoor–Freaks mit Hang zu grossen Geländewagen. Es hat total 2 Zimmer, wovon eines durch uns belegt wurde. Fredy zog gleich eine Schnute, es gab kein Fenster nach draussen in dem Zimmer. Der Laden wurde von vielen jungen, sehr motivierten Leuten geschmissen, die uns als erstes ihren Souvenirshop vorführten, dort gab es unter anderem das Geschlechtsteil eines Walrosses und ein echtes Bärenfell zu bestaunen. Das angegliederte Restaurant hatte sich dem Thema Sibirien verschrieben und wir haben mutig ein paar Sachen ausprobiert. Dazu gehörten gekochte Rentierzunge, Elchfleisch mit Kohl und roher, gefrorener Fisch mit verschiedenen Saucen. Alles sehr empfehlenswert und fein! Im Restaurant lief eine non-stop Dauersendung über Geländefahren in Sibirien und ein Gitarren-Troubadur gab sibirische Weisen zum Besten. Dass auch Vladimir Putin sibirisches Essen mag, wurde mittels Foto von ihm am Frontdesk deutlich gemacht.

 
Es hat sich herausgestellt, dass die Leute sicher den Ural und Sibirien wie ihre Westentasche kennen, als wir jedoch nach einem Stadtplan und dem Fahrplan der Flussschifffahrt fragen, ernteten wir nur verständnislose Blicke. Offenbar hielten sie die Stadt selbst für wenig sehenswert, es schien ihnen überhaupt rätselhaft, was wir in Perm selbst suchten. Wir haben dennoch einige schöne Sachen in Perm entdeckt, es gab einen roten Persönlichkeiten- und einen grünen Architekturweg zu begehen, weiter verfügt Perm über eine schöne Promenade an der Kama, die allerdings noch nicht ganz fertig gebaut war. Weiter gibt es diverse schöne Kirchen und Museen. Das Gulag-Museum, das uns auch interessiert hätte, wurde offenbar kürzlich aus politischen Gründen geschlossen.

 
Apropos Museen, wir haben ein Kunstmuseum besucht, wo wir - einmal mehr - auf resolute ältere Damen stiessen, die einem am Arm in die vorgesehene Richtung der Besichtigung zerrten und es nicht goutierten, wenn man woanders durchspazierte oder sich nicht an die ihrer Ansicht nach logische Reihenfolge der zu bestaunenden Kunstwerke hielt. Wenn man trotzdem ein freundliches „spasiba“ fallen liess, dann waren die Damen zufrieden und stellen durchgehend sicher, dass alle anderen Aufseherinnen auch dafür sorgen, dass die sprachlich handicapierten Ausländer auch wirklich jeden einzelnen Pinselstrich gesehen haben, den es da zu bestaunen gab. Revolutionsgedanken haben wir schnell wieder verworfen, es machte sie glücklich und wir waren in den Ferien.

 
Die Landschaft ist im Vergleich zu vorher vielfältiger geworden und die Gegend am Anfang des Ural ist offenbar sehr bekannt für Trekking und sonstige Outdoor-Erlebnisse. Am Ufer der Kama konnten wir sodann das Balzverhalten der hiesigen Spezies homo permiensis der männlichen und weiblichen Art verfolgen. Während sich die Männchen durch dicke Autos mit Bass auf lautest möglichem Niveau hervortun, sind bei den Weibchen entweder Hotpants oder kurzer Rock mit Highheels üblich. Die Autobässe sind übrigens so laut, dass die Alarmanlagen der abgestellten Wagen losgehen.


Schliesslich machten wir einen Ausflug zur berühmten Eishöhle in Kungur. Dort sind wir ca. 1,5h bei Minus 2 Grad durch die Höhlen gestapft und haben einem russischen Sermon gelauscht, von dem wir hauptsächlich die Wörter Gips und Kristall verstanden haben. Zum Glück ist Fredy Geologe und konnte für die interessanten Formationen des Gesteins selbst Erklärungen liefern. Nun steht für uns die letzte Etappe bis Ekaterinenburg an.

 
Eishöhle in Kungur
 

Grandezza in Perm
 

Kunstmuseum Perm in ehemaliger Kirche
 

Holzhaus mit Gipsfassade
 

Homo permiensis männlich
 

Homo permiensis weiblich
 

Kama - Nebenfluss der Wolga
 

Landy mit grossem starken Kollegen
 

Loge für Leute und Landy -das Hotel Expedition an der Kama
 

Perm, Zone im ZVV - da ist unser GA wohl auch gültig
 

Rentierzunge gekocht
 

Restaurant Expedition mit Helikopter
 

See in der Eishöle
 

Strassenleben in Perm
 

Verfallener Glanz
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen