In Perm erreichten wir unsere Bleibe für die nächsten drei
Nächte. Es entpuppte sich als Unterkunft für Outdoor–Freaks mit Hang zu grossen
Geländewagen. Es hat total 2 Zimmer, wovon eines durch uns belegt wurde. Fredy
zog gleich eine Schnute, es gab kein Fenster nach draussen in dem Zimmer. Der
Laden wurde von vielen jungen, sehr motivierten Leuten geschmissen, die uns als
erstes ihren Souvenirshop vorführten, dort gab es unter anderem das
Geschlechtsteil eines Walrosses und ein echtes Bärenfell zu bestaunen. Das
angegliederte Restaurant hatte sich dem Thema Sibirien verschrieben und wir
haben mutig ein paar Sachen ausprobiert. Dazu gehörten gekochte Rentierzunge,
Elchfleisch mit Kohl und roher, gefrorener Fisch mit verschiedenen Saucen.
Alles sehr empfehlenswert und fein! Im Restaurant lief eine non-stop
Dauersendung über Geländefahren in Sibirien und ein Gitarren-Troubadur gab
sibirische Weisen zum Besten. Dass auch Vladimir Putin sibirisches Essen mag,
wurde mittels Foto von ihm am Frontdesk deutlich gemacht.
Es hat sich herausgestellt, dass die Leute sicher den Ural
und Sibirien wie ihre Westentasche kennen, als wir jedoch nach einem Stadtplan
und dem Fahrplan der Flussschifffahrt fragen, ernteten wir nur verständnislose
Blicke. Offenbar hielten sie die Stadt selbst für wenig sehenswert, es schien
ihnen überhaupt rätselhaft, was wir in Perm selbst suchten. Wir haben dennoch
einige schöne Sachen in Perm entdeckt, es gab einen roten Persönlichkeiten- und
einen grünen Architekturweg zu begehen, weiter verfügt Perm über eine schöne
Promenade an der Kama, die allerdings noch nicht ganz fertig gebaut war. Weiter
gibt es diverse schöne Kirchen und Museen. Das Gulag-Museum, das uns auch
interessiert hätte, wurde offenbar kürzlich aus politischen Gründen geschlossen.
Apropos Museen, wir haben ein Kunstmuseum besucht, wo wir - einmal
mehr - auf resolute ältere Damen stiessen, die einem am Arm in die vorgesehene
Richtung der Besichtigung zerrten und es nicht goutierten, wenn man woanders
durchspazierte oder sich nicht an die ihrer Ansicht nach logische Reihenfolge
der zu bestaunenden Kunstwerke hielt. Wenn man trotzdem ein freundliches
„spasiba“ fallen liess, dann waren die Damen zufrieden und stellen durchgehend
sicher, dass alle anderen Aufseherinnen auch dafür sorgen, dass die sprachlich
handicapierten Ausländer auch wirklich jeden einzelnen Pinselstrich gesehen
haben, den es da zu bestaunen gab. Revolutionsgedanken haben wir schnell wieder
verworfen, es machte sie glücklich und wir waren in den Ferien.
Die Landschaft ist im Vergleich zu vorher vielfältiger geworden
und die Gegend am Anfang des Ural ist offenbar sehr bekannt für Trekking und
sonstige Outdoor-Erlebnisse. Am Ufer der Kama konnten wir sodann das
Balzverhalten der hiesigen Spezies homo permiensis der männlichen und
weiblichen Art verfolgen. Während sich die Männchen durch dicke Autos mit Bass
auf lautest möglichem Niveau hervortun, sind bei den Weibchen entweder Hotpants
oder kurzer Rock mit Highheels üblich. Die Autobässe sind übrigens so laut,
dass die Alarmanlagen der abgestellten Wagen losgehen.
Schliesslich machten wir einen Ausflug zur berühmten
Eishöhle in Kungur. Dort sind wir ca. 1,5h bei Minus 2 Grad durch die Höhlen
gestapft und haben einem russischen Sermon gelauscht, von dem wir hauptsächlich
die Wörter Gips und Kristall verstanden haben. Zum Glück ist Fredy Geologe und
konnte für die interessanten Formationen des Gesteins selbst Erklärungen
liefern. Nun steht für uns die letzte Etappe bis Ekaterinenburg an.
Eishöhle in Kungur
Grandezza in Perm
Kunstmuseum Perm in ehemaliger Kirche
Holzhaus mit Gipsfassade
Homo permiensis männlich
Homo permiensis weiblich
Kama - Nebenfluss der Wolga
Landy mit grossem starken Kollegen
Loge für Leute und Landy -das Hotel Expedition an der Kama
Perm, Zone im ZVV - da ist unser GA wohl auch gültig
Rentierzunge gekocht
Restaurant Expedition mit Helikopter
See in der Eishöle
Strassenleben in Perm
Verfallener Glanz
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