Mittwoch, 9. Juli 2014

Izhevsk und die Diplomfeier

Jede Stadt hat ihre eigene „Luft“. Und in Izhevsk haben wir bei der Ankunft gleich gespürt, dass es sich hier um eine kleine Stadt wie im Schweizer Mittelland handelt, dass sich diese jedoch in der Teilrepublik Udmurtien befindet. Von dieser Republik haben wir bisher übrigens auch noch nie etwas gehört.


Hier unsere Eindrücke:

-                     Wie eine Wand gegenüber dem Regierungsgebäude zeigt, ist die Stadt betont bürgernah. Die Parlamentarier sind an einer Wand mit Bild und Namen abgebildet.

-                     Izhevsk ist sehr sauber und hat diverse Grünflächen, welche die Bewohner gerne frequentieren.

-                     Die Izhevsker sind freundlich und zurückhaltend.

-                     Izhevsk nennt sich auch „the arms city“, denn hier ist der Erfinder der Kalashnikov zu Hause. Ihm wurde ein eigenes Museum gewidmet.

-                     Die Stadt besitzt einen See und eine gut frequentierte Schifffahrt. Wir haben auch eine Schifffahrt unternommen. Das Ziel hat uns aber etwas irritiert. Da gab es nichts ausser Wald und einem Kiosk. Die Gegend erinnert an schwedische Landschaften, bunte Holzhäuser im Wald und am Seeufer. So sind wir mit dem gleichen Schiff wieder zurückgefahren.

-                     Alle Sehenswürdigkeiten sind in einer Stunde zu Fuss besichtigt.

 
Was Izhevsk für uns besonders macht, ist Folgendes:

-                     Izhevsk gehört unserer Ansicht nach ins UNESCO-Weltkulturerbe! Es gibt ein mittlerweile seltenes architektonisches Ensemble vom Stadtzentrum zum Seeufer mit einem schnörkellosen Regierungspalast, einem riesigen mit brüchigen Betonplatten belegten Platz mit leeren Wasserbassins, ein wohl ebenfalls noch aus kommunistischer Zeit stammendes Kaufhaus, ein sich uns nicht erschliessendes Denkmal, eine von aussen sehr, wirklich sehr schöne Oper sowie eine recht pompöse Treppe, die vom Platz zum See mit dem Denkmal führt und das Ensemble achsensymmetrisch komplettiert.

-                     Wenn die historischen Bauten fehlen, baut man sie eben nach. Das ist mit dem sogenannten Präsidentenpalast geschehen, der bestimmt keine 15 Jahre auf dem Buckel hat und aussieht, als wäre er 200 Jahre alt. Und die Izevsker Hauptattraktion, die Kirche, ist nachweislich keine 10 Jahre alt. Ein brandneuer Backsteinbau, aussen und Ihnen mit Gold verziert. Wir waren beeindruckt.

-                     Auf unserer Stadtkarte ist auch ein roter Funkturm als Attraktion eingezeichnet. Keine Ahnung warum, er ist aus Metallrohren geschweisst, nicht sehr hoch und nicht sehr besonders. Attraktiv finden wir ihn trotzdem.


Besonders zu empfehlende Erlebnisse? Neben der Schifffahrt ein Besuch des „Brau Platzes“, ein Restaurant à la Hofbräuhaus und offenbar mit eigener Brauerei. Da mussten wir hin. Nun, das Bier kommt gemäss unserer Nachfrage nicht aus dem eigenen Haus, sondern aus Deutschland, aber der Rest stimmt: Serviererin mit einer Art Dirndl, deutsche Speisekarte, bayrisches Essen. Wir gehörten zu den ersten Gästen, da dieses Wirtshaus erst in zwei Wochen offiziell eröffnet wird. Trotzdem ging’s voll ab. Wir konnten an einer kleinen privaten Diplomfeier teilhaben. Julia hat soeben ihr Ingenieur-Diplom erhalten und feierte dies ausgiebig mit Aleksandr, bzw. es feierte vor allem Aleksandr mit sich selber. Er zeigt uns das gefeierte Schriftstück und wir unterhielten uns gut und gerne 1 Stunde miteinander, obwohl wir kein Russisch und die beiden kein Englisch konnten.

Dann ist da natürlich das Kalashnikow-Museum. Weil dieses erst um 11 Uhr am Morgen öffnet, haben wir mit der Abreise nach Perm entsprechend lang gewartet. Um die Zeit zu überbrücken sind wir wieder einmal Tram gefahren. Beim Fotografieren eines dieser Exemplare hat sich die Tramchauffeurin lauthals durch die offene Tramtüre beschwert (könnte es sein, dass das Fotografieren von Trams oder Chauffeuren derselben verboten ist?). Wir haben uns daraufhin hinter einem Kiosk versteckt und gewartet, bis der Spuk vorbei ist und gehofft, ja nie wieder dieses blau-weisse Tram anzutreffen.


Anschliessend im Museum ist Fredy beim Fotografieren der vielen Sturmgewehre prompt rücklings in eine Vitrine getütscht. Das hat Krach gemacht! Claudia hat sich wieder einmal bös geschämt, aber die Aufseherin ist deswegen auf uns aufmerksam geworden und hat Claudia gleich vor das Ölgemälde des Herrn Kalashnikow gestellt und Fredy aufgefordert, das alles zu fotografieren. Danach hat sie uns konspirativ am Arm genommen und uns in den Keller geführt – wir dachten, jetzt hat die letzte Stunde geschlagen. Aber nein, sie hat uns in einen Raum voll lustiger Souvenirs geführt, unter anderem gab es Kalashnikovs-Schlüsselanhänger, kleine Gummisoldaten der roten Armee und Gewehrpatronen mit alkoholischem Innenleben. Danach wurden wir zum Schiessstand gelotst; aber da mussten wir nun wirklich losfahren Richtung Perm . . .
 
Alexandr zeigt Hablü Julias Diplom
 

Auf dem Oberdeck mit fröhlichen Kindern
 

Bei der Endstation unserer Reise
 

Charmante Serviererin im Brau Platz
 

Claudia und Herr Kalaschnikow
 

Das brandneue Brau Platz von innen
 

Der stählerne Funkturm
 

Die 10-Jährige Izevsker Basilika
 

Die Attraktion am See - das Kraftwerk
 

Die frechen Möwen werden gefüttert
 

Izevsker Bürgernähe - Politiker an der Wand
 

Izevsker Opernhaus
 

Izevsker Tivoli
 

Kalaschnikows
 

Unser Schwesterschiff
 

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