Von
den Badestränden der Insel Saaremaa ging's letzte Woche per Fähre zurück aufs
Festland in die äusserst sehenswerte Hansestadt Tallinn. Von da aus führte die
Route - teils auf Forstwegen - durch den Nationalpark Lahemaa. Nach einer
weiteren Campingübernachtung in Toila hatte Urs schliesslich in Narva den
Grenzübergang zur Russischen Föderation zu passieren. Nach dem Kontakt mit acht
verschiedenen Stellen, an denen es grössere und kleinere Formalitäten zu
erledigen gab, ging für den Landy der Grenzbalken auf. Das passieren der Grenze
dauerte zwar seine Zeit und der genaue Ablauf war für uns anfangs schwierig in
Erfahrung zu bringen; die Behörden waren aber stets freundlich und beim
Ausfüllen der teilweise nur in kyrillischer Schrift erhältlichen Formulare
halfen die umstehenden Grenzgänger bereitwillig mit. Es folgten zwei Tage
Aufenthalt im schönen Sankt Petersburg, wo wir nun auch die
Automobilhaftpflichtversicherung für Russland abschliessen konnten. Das dauerte
in der von uns gewählten lokalen Versicherungsvertretung - bei stets heiterer
Stimmung auf allen Seiten - ca. 5 Stunden. Die lange Dauer war in erster Linie
darauf zurückzuführen, dass beim Ausfüllen der Police mehrheitlich mit
Zeichensprache kommuniziert wurde (in besonders kniffligen Fragen halfen
verdankenswerterweise unsere Dolmetscherinnen aus der Schweiz weiter) und man
uns mehrfach versicherte, dass wir in diesem Büro die allerersten seien, die
ein ausländisches Fahrzeug versichern wollen. Es war auf jeden Fall ein
lustiger Nachmittag und wir haben nun nicht nur die Police sondern auch die der
russischen Gastfreundschaft entsprechende Zusicherung der Sachbearbeiterin, dass wir uns bei Problemen irgendwelcher Art wieder an sie
wenden können. Die Reise führte weiter nach Welikij Nowgorod - den
sprichwörtlichen Vater aller altrussischen Städte. Am 23. wollten wir in die
etwas abgelegene Region um Krasuha weiterziehen; wollten, denn nach 16
Kilometern verwehrte Urs zum ersten Mal seit unserer ersten gemeinsamen Fahrt
vor drei Jahren ohne wenn und aber den Dienst. Alles rütteln und putzen an den
Zündkerzen half nichts. Eine Fahrt auf dem Abschleppwagen und einen Besuch der
Werkstadt in Nowgorod (Reparatur von 6 Uhr Abends bis 3 Uhr Morgens an einem
Sonntag; das muss man bei uns suchen!) später war Urs wieder Flott. Diagnose:
Benzinpumpe ausgestiegen. Es konnte nach Krasuha weitergehen - und Urs wurde
gleich wieder auf Herz und Nieren getestet. Die Nebenstrassen entpuppten sich
als zunehmend schlechter werdende Forstwege, die während 50 km in regelmässigen
Abständen durch regelrechte Schlammlöcher führten. Etwas mehr, als wir Urs
angesichts seiner noch bevorstehenden langen Reise zumuten wollten - er hat's
mit Bravour gemeistert! Gelohnt hat sich der abenteuerliche Abstecher allemal.
Die Fahrt offenbarte eine Seite von Russland, die uns sonst verborgen geblieben
wäre und führte vorbei an vollkommen verlassenen Dörfern und Weilern; einst
wunderschön verzierte Holzhäuser dem Verfall preisgeben. Umso schöner, wenn
vereinzelt doch noch ein Haus bewohnt war, dessen Besitzer uns stets herzlich
grüssten und uns den Weg zu besseren Strassen wiesen. Eine Erklärung für die
angetroffenen Geisterdörfer liefert wohl dieser Beitrag in der NZZ: http://mobile.nzz.ch/aktuell/international/wenn-nadeschda-stirbt-stirbt-das-dorf-1.12359024
. Inzwischen sind wir in Tver angelangt. Nächste und letzte Station unserer
Etappe ist Moskau.

Forststrasse
Viele Strassen sind nicht asphaltiert
Benzinpumpe ausgestiegen
Erste Hilfe
Mechanikerteam (bis tief in die Nacht)
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