Dienstag, 1. Juli 2014

Ettappe 1 - Reisebericht 2

Von den Badestränden der Insel Saaremaa ging's letzte Woche per Fähre zurück aufs Festland in die äusserst sehenswerte Hansestadt Tallinn. Von da aus führte die Route - teils auf Forstwegen - durch den Nationalpark Lahemaa. Nach einer weiteren Campingübernachtung in Toila hatte Urs schliesslich in Narva den Grenzübergang zur Russischen Föderation zu passieren. Nach dem Kontakt mit acht verschiedenen Stellen, an denen es grössere und kleinere Formalitäten zu erledigen gab, ging für den Landy der Grenzbalken auf. Das passieren der Grenze dauerte zwar seine Zeit und der genaue Ablauf war für uns anfangs schwierig in Erfahrung zu bringen; die Behörden waren aber stets freundlich und beim Ausfüllen der teilweise nur in kyrillischer Schrift erhältlichen Formulare halfen die umstehenden Grenzgänger bereitwillig mit. Es folgten zwei Tage Aufenthalt im schönen Sankt Petersburg, wo wir nun auch die Automobilhaftpflichtversicherung für Russland abschliessen konnten. Das dauerte in der von uns gewählten lokalen Versicherungsvertretung - bei stets heiterer Stimmung auf allen Seiten - ca. 5 Stunden. Die lange Dauer war in erster Linie darauf zurückzuführen, dass beim Ausfüllen der Police mehrheitlich mit Zeichensprache kommuniziert wurde (in besonders kniffligen Fragen halfen verdankenswerterweise unsere Dolmetscherinnen aus der Schweiz weiter) und man uns mehrfach versicherte, dass wir in diesem Büro die allerersten seien, die ein ausländisches Fahrzeug versichern wollen. Es war auf jeden Fall ein lustiger Nachmittag und wir haben nun nicht nur die Police sondern auch die der russischen Gastfreundschaft entsprechende Zusicherung  der Sachbearbeiterin, dass wir uns bei  Problemen irgendwelcher Art wieder an sie wenden können. Die Reise führte weiter nach Welikij Nowgorod - den sprichwörtlichen Vater aller altrussischen Städte. Am 23. wollten wir in die etwas abgelegene Region um Krasuha weiterziehen; wollten, denn nach 16 Kilometern verwehrte Urs zum ersten Mal seit unserer ersten gemeinsamen Fahrt vor drei Jahren ohne wenn und aber den Dienst. Alles rütteln und putzen an den Zündkerzen half nichts. Eine Fahrt auf dem Abschleppwagen und einen Besuch der Werkstadt in Nowgorod (Reparatur von 6 Uhr Abends bis 3 Uhr Morgens an einem Sonntag; das muss man bei uns suchen!) später war Urs wieder Flott. Diagnose: Benzinpumpe ausgestiegen. Es konnte nach Krasuha weitergehen - und Urs wurde gleich wieder auf Herz und Nieren getestet. Die Nebenstrassen entpuppten sich als zunehmend schlechter werdende Forstwege, die während 50 km in regelmässigen Abständen durch regelrechte Schlammlöcher führten. Etwas mehr, als wir Urs angesichts seiner noch bevorstehenden langen Reise zumuten wollten - er hat's mit Bravour gemeistert! Gelohnt hat sich der abenteuerliche Abstecher allemal. Die Fahrt offenbarte eine Seite von Russland, die uns sonst verborgen geblieben wäre und führte vorbei an vollkommen verlassenen Dörfern und Weilern; einst wunderschön verzierte Holzhäuser dem Verfall preisgeben. Umso schöner, wenn vereinzelt doch noch ein Haus bewohnt war, dessen Besitzer uns stets herzlich grüssten und uns den Weg zu besseren Strassen wiesen. Eine Erklärung für die angetroffenen Geisterdörfer liefert wohl dieser Beitrag in der NZZ: http://mobile.nzz.ch/aktuell/international/wenn-nadeschda-stirbt-stirbt-das-dorf-1.12359024 . Inzwischen sind wir in Tver angelangt. Nächste und letzte Station unserer Etappe ist Moskau.


 Forststrasse


 



 
 

 
 

 
 

Viele Strassen sind nicht asphaltiert
 

 
 

Benzinpumpe ausgestiegen
 

Erste Hilfe
 

Mechanikerteam (bis tief in die Nacht)
 

 

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