Dienstag, 1. Juli 2014

Moskau und Wladimir

Moskau

Die Zeit in Moskau beginnt mit einem schönen, aber teuren Abendessen in der trendigen Space Bar im 36. Stock mit Blick aufs bunte Lichtermeer der Stadt. Den Samstag haben wir genutzt, um Moskau kennen zu lernen.

Die Metro ist ein beeindruckender Teil des Moskauer ÖV’s. Nicht nur der berühmte, palastähnliche Ausbau der Stationen, auch der Fahrplan, die Zugänglichkeit und Verständlichkeit (wenn man das kyrillische Alphabet beherrscht) haben uns überzeugt. So haben wir mit Metro und zu Fuss den Kreml, die Pokrovsky Cathedral und das am Roten Platz gelegene Wahrenhaus GUM besucht.

Im GUM sind wir auf „Brautjagd“ gegangen. Weil das Kaufhaus eine optimale Kulisse für Hochzeitsfotos hergibt, lassen sich dort mehrere Dutzend Brautpaare von ihren Fotografen ablichten – und wir haben diese „leicht“ gekünstelten Arrangements gerne mitfotografiert. Nach dem Kreml sind wir im  Regen zur Christi Erlöserkirche spaziert. Das ist ein russisch-orthodoxer Prachtbau mit viel Marmor und Ikonen – und erst 20 Jahre alt. Die Kirche wurde nach der Sprengung durch Stalin wieder genau gleich aufgebaut.

Von Moskau haben wir uns gebührend mit einem Foto vom Auto samt dem Innerschweizer Tracht tragenden Portier und dem Gepäckträger verabschiedet.


Moskau – Vladimir

Am 29.6.2014 sind wir morgens mit dem Landy losgefahren. Die Sonne lachte und wir sind frohgemut ins Abenteuer gestartet. Der erste Tankstellenstopp verlief zufrieden stellend, am Ende war alles am richtigen Platz, das Geld bei der Tankstelle, etwas Trinkgeld beim Tankpersonal und sogar Benzin und kein Diesel im Tank. Keiner hat bei der Transaktion etwas verstanden, aber wir haben uns amüsiert und haben uns gegenseitig mit fröhlichem Winken verabschiedet. Bei unserer Mittagspause sind wir dann aus Versehen zuerst in einer russischen Spiel- und Wetthöhle namens Café Aladdin gelandet, bevor wir ein normales Restaurant erwischt haben.

Auf dem weiteren Weg erlebten wir unseren ersten 4 Kilometer langer Baustellenstau auf der Hauptstrasse nach Vladimir. Man überholt rechts auf dem Pannenstreifen, ebenfalls rechts von diesem und wenn man verwegen genug ist, auch noch rechts der Strassenbeleuchtung. So wird aus einer zwei- eine fünfspurige Strasse. Die youtube-Filme über den Russischen Verkehr haben sich bestätigt und sind absolut nichts Aussergewöhnliches im russischen Strassenverkehr.


Vladimir

Vladimir selber ist ein Lichtblick: ein schönes altes Städtchen mit mehr als 300'000 Einwohnern. Es liegt auf einem Hügel und bietet eine beeindruckende Aussicht auf das flache Umland. Touristisch ist es gut ausgebaut und herausgeputzt. Hier glänzen golden die Kuppeln der vielen Kirchen. Eine pompöse Reiterstatue auf Marmorsockel datiert von 2008 und auch das Gebäude mit McDonalds, ein spätklassizistischer Bau, ist nicht älter als 10 Jahre. So auch unser Hotel. Was nicht alt ist wird alt gemacht. Das Besondere an Vladimir ist für uns natürlich die Lage an einer der drei Linien der Transsibirischen Eisenbahn. Eine riesige Dampflok als Denkmal beim wuchtigen Bahnhof zeugt von früherer Zeit.


Suzdal

Einen Tag Zeit haben wir uns für einen Ausflug nach Suzdal genommen. Das hat sich gelohnt. Suzdal ist UNESCO-Weltkulturerbe und trumpft auf mit bunten Häusern, vielen, sehr vielen Kirchen, Klöstern und einem russischen „Ballenberg“-Museum für Holzhäuser.

Folgende Begebenheiten werden uns in Erinnerung bleiben:

-                     Der erste Halt war zufällig ein Nonnenkloster. Die nähere Umgebung wurde für ein Erinnerungsfoto mit Urs genutzt. Die im Bus angereisten deutschen Pauschaltouristen waren vom Land Rover und vor allem von der weiteren Reiseplanung höchst beeindruckt.

-                     Fredy ereilt die Erkenntnis, eine russische Mütze zu benötigen. Nach einigem Hin und Her ist die angenehme Grösse gefunden samt rotem Stern vorne drauf.

-                     Im Suzdaler Ballenberg gibt es Holzhäuser, Holzkirchen und Holzmühlen zu sehen. Worin sich diese genau unterscheiden, blieb uns indessen verborgen. Fredy durfte dort mit Unterstützung eines im russischen Folklorelook gekleideten jungen Herrn seine eigene Kupfermünze mittels Hammerschlag prägen. (Fredy brauchte 2 Versuche, bis es was geworden ist.)

-                     An einem Kiosk vor dem Museum hat uns eine nette blonde Russin Kwas degustieren lassen.. Kwas? Ein Getränk aus vergorenem Brot und Honig. Eigentlich wollten wir nur etwas zu trinken kaufen und haben dann gleich alle Sorten durchprobieren dürfen. Fredy war davon begeistert, hat zwei Flaschen gekauft und eine getrunken. Der darin enthaltene Alkohol (ähnlich wie ein Bier) bildete – wie sich später zeigte – eine entspannte Grundlage für die Heimfahrt im russischen Verkehr.

-                     Unter einer Laterne auf offenem Feld haben wir Fredys Akkordeon-Kumpel Igor getroffen. Für ein paar Kopeken hat er eine noch viel sentimentalere russische Weise gespielt, die er auch schon am Berliner Hauptbahnhof vorgetragen haben will. Igor meinte „Deutsche, gute Leute“. Dabei sind wir doch Schweizer, aber auch gut!!

-                     Fredy hat wie immer entweder die Zigaretten oder das Feuerzeug im Hotel liegen lassen. Hablü darf im Kiosk neue besorgen. Fredy möchte auch plötzlich Beeren oder Honig am lokalen Markt kaufen. Nach einigem Hin und Her ohne sich zu verstehen ergibt sich aus dem elektronischen Rechner der Marktfrau, dass Hablü zufällig die richtige Note hingestreckt hat und irrtümlich aufgrund des Redeschwalls davon ausgegangen ist, es sei entweder zuwenig oder zuviel gewesen.
 
Aussicht vom Hotelzimmer
 

GUM Wer findet die Braut
 

Igor und die russische Weise
 

Metrostation
 

Roter Platz
 

Schade dass die nicht mehr läuft
 

Suzdaler Ballenberg
 

Suzdaler Kreml
 

Urs beim Nonnenkloster
 

Vladimir und 6jährige Reiterstatue

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen