Dienstag, 8. Juli 2014

Kazan

Von Nizhny Novgorod nach Kazan haben wir mit Urs leicht an einem Tag rund 400 Kilometer hingelegt. Die Strasse war auf unserer Karte als Hauptstrasse bezeichnet, bot aber ein breites Spektrum an Fahrwegen: Von der dreispurigen Autobahn mit Mittelleitplanke bis zur einspurigen asphaltierten Landstrasse mit vielen Schlaglöchern. Interessant sind die vielen Baustellen: Wenn eine gelbe 40er- oder 50er-Tempo-Tafel kömmt, steckt man schon mitten in der Baustelle. Dann heisst es aufgepasst auf die (armen) Bauarbeiter!


Mit Kazan selber haben wir die wahre, die eigentliche und ultimative Hauptstadt (Ost)-Russlands kennengelernt. Sie darf sich offiziell seit rund einem Jahr die 3. Hauptstadt neben Moskau und St. Petersburg nennen. Auf unserer flotten Hop-on-hop-off-Tour haben wir denn auch die wahre Grösse von Kazan kennengelernt. Frisch von der Leber sei der Text der Tour wie folgt wiedergegeben:


-                  Kazan ist das Zentrum der freien, besten und eigentlich grossartigsten Teilrepublik Tatarstan.

-                  In Kazan haben die empfindsamsten und genialsten Kenner der menschlichen Seele an der föderativen Universität, in Pärken etc. gewirkt. Genannt seien Lenin, Gorki (eigentlich aus Nizhny Novgorod) und dann natürlich der vegetarische und moralisch höchst erhabene Schriftsteller Tolstoi. Aber auch der weltbekannte tatarische Nationalschriftsteller Musa Dzalilja ist in einem ihm gebührenden Denkmal verewigt.

-                  Kazan ist die weltoffenste, geistreichste und allen Religionen gegenüber toleranteste Stadt im russischen Universum und darüber hinaus. Davon zeugen die vielen orthodoxen, katholischen und lutheranischen Kirchen sowie die omnipräsenten Moscheen mit Megaphonen, die alle zum Gebet in Richtung Mekka auffordern.

-                  Jeder 10. Kazaner ist Student oder Studentin und brilliert in Kunst, Technik, Naturwissenschaften, Agronomie und weiss der Teufel sonst noch was.

-                  In Kazan wurde die Luftfahrt, die Ölindustrie, das Auto und die Schiffahrt so wenn auch nicht grad erfunden so doch entscheidend weiterentwickelt.

-                  Kazan verbindet in einzigartiger Weise die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft.

-                 Das tatarische Nationaltheater schafft 6 Uraufführungen pro Jahr, das darin Gesprochene wird simultan ins Russische und Englische übersetzt. Leider noch nicht ins Rätoromanische.

-                  Kazan ist der wahre kulturelle Schmelztiegel zwischen Asien und Europa, deren Grundstein von den edel- und grossmütigsten Kaufmänner der letzten Jahrhunderte gelegt wurde.

-                  Als Standesamt haben sich die Kazaner eine riesige Tasse erbaut. Die bedeutet für die jungen Paare ein gefülltes Füllhorn an Glück, welches sie mit dem Bund der Ehe erlangen wollen.

-                  Zum 1000-Jahr-Jubiläum hat sich Kazan nicht nur einen grünen Park an einer vielbefahrenen Strasse sondern auch eine unsägliche Pyramide und ein Stadion gegönnt.

 
Was wir aber nicht vorenthalten möchten: Kazan hat uns überzeugt. So wie in Bern dirigiert und in Zürich die Musik gemacht wird, so ist Kazan in jeder Hinsicht weiter als Moskau und bereits viel, viel weiter als Nizhny: sauberer, organisierter, ruhiger, freundlicher, speditiver. Der Autoverkehr ist dünn und ruhig, der ÖV sehr gut organisiert. Weil die roten Trams uns angelacht haben, sind wir an einem Morgen mit einem besonders modernen Exemplar grad einmal um die Stadt gefahren; für 20 Rubel, welche von einer freundlichen Kondukteurin gleich im Tram selber eingezogen wurden. Beim Anblick der drei prächtigen Stadtbahnhöfe wollte Fredy grad direkt in einen Zug steigen. Aber das hätte unser Landy wohl nicht goutiert. Apropos Landy: er wurde in Kazan bereits vielfach bestaunt. Der Desktop-Manager unseres Hotels hat Fredy gesagt, es sei sein Traum: Ein schönes Haus und ein solches Fahrzeug!


Wir haben uns in dieser wirklich sehr schönen Stadt gleich zwei Tage gegönnt. Besonders farbenfroh ist das „Haus der Religionen“, welches ein russischer Hundertwasser selber gebaut hat. Es vereinigt symbolhaft – es bleibt anzumerken aus russischer Sicht – die Weltreligionen unter einem Dach. Und gleich neben dem Haus fliesst die Wolga. Hier haben wir ein tütsches Päärli getroffen und fröhlich mit ihnen geplaudert. Sie nahm ihren bayrischen Freund mit auf Besuch zu ihrer Kazaner Grossmutter, welche offenbar in einem dieser kleinen, bunten Holzhäuschen wohnt, welche wir auf dem Land schon so viele gesehen haben, mit Plumpsklo wohlgemerkt.


Am letzten Abend haben wir beim Landy alle Flüssigkeitsstände kontrolliert, die Scheiben geputzt und alle sichtbaren Schrauben angezogen. Wir sind bereit, weiter ostwärts zu fahren!
 
 
 Altes und neues Hazaner Tram
 

Die (noch leere) Hazaner Fussgängerzone
 

Ein Kloster für 3 Mönche
 

Einmal Lenin muss sein! (Vor der Stadtverwaltung)
 
 
Gold und Shutt (Vor und hinter der Fassade)
 
 
 Grösste Moschee Europas im Hazaner Kreml
 

Kazaner Bahnhof
 

Kazaner Bazar
 

Kazaner Metro = Moskauer Metro
 

Kondukteurin im Tram
 

Landy an der Wolga
 

Landy beim Haus der Religionen
 

Schönste Barockkirche Russlands
 

 Tassenförmiges Standesamt

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