Die LKWs sind übrigens unserer Ansicht nach die kultiviertesten
Verkehrsteilnehmer. Deshalb fahren wir im gebührenden Abstand am liebsten
diesen nach. Sie halten meistens die erlaubten 90 km/h ein und lassen einen bei
Gelegenheit vorbeiziehen, wenn man nicht schon vorher einer Feinstaubvergiftung
erlegen ist. Die LKWs russischer Bauart stehen im Abstand von rund 5 km am
Strassenrand und der Fahrer steckt dabei seinen Kopf unter den Anhänger oder in
den Motorraum. Die können einem leid tun.
Ein Russland-Autofahrer muss immer davon ausgehen, dass jede
Lücke und jede kleinste Verzögerung dazu führt, dass links und rechts PKWs
jedwelcher Bauart, ob neu oder oldtimermässig alt, pfeilschnell vorbeiziehen.
Diese lässt man am besten vor dem eigenen Wagen wieder in die Spur einbiegen,
weil sie sonst auf der linken Fahrbahn in eine entgegenkommendes Fahrzeug
prallen oder rechts in eine Leitplanke oder in einen Strommasten o. ä.
Will man mal einen LKW überholen, und nur diese kann man überholen, die PW sind
meist eh schneller, wartet man am besten auf eine Steigung, wo die Strassen
praktischerweise zu diesem Zweck zumeist zweispurig ausgebaut sind. Hier könnte
man eigentlich gut sogar eine kleinere LKW-Kolonne überholen, wenn dies denn auch
unser lieber Landy wollte . . . Dem geht bei 100 km/h an einer Steigung etwas
der Schnauf aus . . .
Wenn man auf der Landstrasse in einen Stau gerät, dann hat
Fredy folgendes Rezept parat (wenn man kultiviert im Stau bleibt): Aus Annes
kleinem Kühlschrank eine Bierdose holen, diese genüsslich zwischen dem
Vorrücken trinken und mit dem Kopilot zu erraten versuchen, was der Grund für
den Stau sein könnte. Heute war es bei uns für 2 Kilometer Stau eine rund 20
Meter kurze Brückenbaustelle. Wie man das nun wieder hinkriegt…
Zur Landschaft: Die war – unter uns gesagt – bisher etwas
eintönig. Birkenwälder, verwilderte Äcker, Sümpfe, Birken, Birken, Birken! Ab
Kasan hat sich das aber etwas geändert. Jetzt tauchen immer mehr Fichten und
Föhren auf, sogar Kuh- und Schafherden sowie Bauernhöfe und landwirtschaftliche
Fahrzeuge sind zu sehen. Die Luft ist frischer, alles gleicht etwa unserem Westschweizer
Jura. Das hat uns animiert, einen kleinen „Schwenker“ abseits der Strasse zu
einer kleinen Wolga-Aue zu machen. Hier hat Fredy die Claudia langsam in das
wilde Campieren im Freien eingeführt. Es gab ein Picknick und viele Mücken. Und
eines haben wir wieder gemerkt: abseits der asphaltierten Strassen wird es sehr
schlammig; aber ein wenig Offroadfeeling hatten wir schon.
Arme Fernfahrer - ein häufiges Bild
Die Wolga - wie ein Gemälde
Dieser Schlamm klebt und rutscht
Im Landy ist fast alles drin
Immer schön den LKW,s nach
Langer LKW-Stau, die PW sind rechts auf und davon!
Picknick an der Wolga - die Mücken sind nicht zu sehen
Schöne, leere Strassen - Freiheit pur!
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