Mittwoch, 9. Juli 2014

Unterwegs

Heute, liebe Leute, berichten wir über unsere Fahrt von Kazan nach Izevsk. Die Fahrt entspricht mit rund 370 Kilometern einer durchschnittlich langen Etappe. Claudia, die Kopilotin lotst Fredy per verzögertem GPS durch den Stadtverkehr Kazans hinaus auf die Landstrasse. Ruhig und überschaubar ist das alles, weil man im Landy auf einer leicht erhöhten Kanzel sitzt und den Überblick hat. Danach wird der Autopilot auf die optimalen 90 km/h eingestellt, wobei der Motor im 5. Gang die regelmässigsten Geräusche, das berühmte Schnurren, von sich gibt und dabei relativ wenig Benzin verbraucht (ca. 0.15 l/km). Wir fahren am liebsten generell auf der mittleren oder rechten Spur, immer in gebührendem Abstand zu den LKW. Die rechte Spur ist im Stadtverkehr streckenweise aber den Bussen, der Ambulanz, der Polizei und den flüchtenden Kleinkriminellen sowie ungeduldigen Rasern vorbehalten. Auf der linken Spur läuft man Gefahr, in einen kleinen Stau zu geraten, weil das angekündigte Linksabbiegen im dichten Gegenverkehr selten rasch möglich ist.


Die LKWs sind übrigens unserer Ansicht nach die kultiviertesten Verkehrsteilnehmer. Deshalb fahren wir im gebührenden Abstand am liebsten diesen nach. Sie halten meistens die erlaubten 90 km/h ein und lassen einen bei Gelegenheit vorbeiziehen, wenn man nicht schon vorher einer Feinstaubvergiftung erlegen ist. Die LKWs russischer Bauart stehen im Abstand von rund 5 km am Strassenrand und der Fahrer steckt dabei seinen Kopf unter den Anhänger oder in den Motorraum. Die können einem leid tun.


Ein Russland-Autofahrer muss immer davon ausgehen, dass jede Lücke und jede kleinste Verzögerung dazu führt, dass links und rechts PKWs jedwelcher Bauart, ob neu oder oldtimermässig alt, pfeilschnell vorbeiziehen. Diese lässt man am besten vor dem eigenen Wagen wieder in die Spur einbiegen, weil sie sonst auf der linken Fahrbahn in eine entgegenkommendes Fahrzeug prallen oder rechts in eine Leitplanke oder in einen Strommasten o. ä. Will man mal einen LKW überholen, und nur diese kann man überholen, die PW sind meist eh schneller, wartet man am besten auf eine Steigung, wo die Strassen praktischerweise zu diesem Zweck zumeist zweispurig ausgebaut sind. Hier könnte man eigentlich gut sogar eine kleinere LKW-Kolonne überholen, wenn dies denn auch unser lieber Landy wollte . . . Dem geht bei 100 km/h an einer Steigung etwas der Schnauf aus . . .


Wenn man auf der Landstrasse in einen Stau gerät, dann hat Fredy folgendes Rezept parat (wenn man kultiviert im Stau bleibt): Aus Annes kleinem Kühlschrank eine Bierdose holen, diese genüsslich zwischen dem Vorrücken trinken und mit dem Kopilot zu erraten versuchen, was der Grund für den Stau sein könnte. Heute war es bei uns für 2 Kilometer Stau eine rund 20 Meter kurze Brückenbaustelle. Wie man das nun wieder hinkriegt…


Zur Landschaft: Die war – unter uns gesagt – bisher etwas eintönig. Birkenwälder, verwilderte Äcker, Sümpfe, Birken, Birken, Birken! Ab Kasan hat sich das aber etwas geändert. Jetzt tauchen immer mehr Fichten und Föhren auf, sogar Kuh- und Schafherden sowie Bauernhöfe und landwirtschaftliche Fahrzeuge sind zu sehen. Die Luft ist frischer, alles gleicht etwa unserem Westschweizer Jura. Das hat uns animiert, einen kleinen „Schwenker“ abseits der Strasse zu einer kleinen Wolga-Aue zu machen. Hier hat Fredy die Claudia langsam in das wilde Campieren im Freien eingeführt. Es gab ein Picknick und viele Mücken. Und eines haben wir wieder gemerkt: abseits der asphaltierten Strassen wird es sehr schlammig; aber ein wenig Offroadfeeling hatten wir schon.
 
Arme Fernfahrer - ein häufiges Bild
 

Die Wolga - wie ein Gemälde
 

Dieser Schlamm klebt und rutscht 
 

Im Landy ist fast alles drin 
 

 Immer schön den LKW,s nach
 

Langer LKW-Stau, die PW sind rechts auf und davon! 
 

 Picknick an der Wolga - die Mücken sind nicht zu sehen
 

 Schöne, leere Strassen - Freiheit pur!
 

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